Kaiserwetter

Entgegen meiner Ankündigung habe ich den Fuß noch nicht vom Gaspedal genommen. Zwei Tage in Nelson und ebenso nur zwei Tage in (ja der Ort heißt wirklich so) Franz Josef. Vereinfacht gesagt: immer im Wechsel ein Tag Busfahren, ein Tag wandern. Das war sogar noch schöner, als es sich anhört. In Nelson überzeugte vor allem das für hiesige Verhältnisse günstige Hostel. Das lag nicht zwingend am Ambiente, dem Komfort oder nettem Personal. Tatsächlich trat der Besitzer zumeist ausschließlich durch lautstarke Schimpftiraden in Erscheinung. Nein, der Pluspunkt war vielmehr, dass ich meinen Schlafsaal in beiden Nächten ganz für mich allein hatte. Das hat Seltenheitswert. Schließlich ist gerade absolute Hochsaison. Damit sind wir schon beim Thema und gleichzeitig dem Grund, warum ich diese beiden Orte in bester Erinnerung behalten werde. Denn obwohl hier im Moment Ferien sind und deshalb nicht nur Massen ausländischer Touristen herumlaufen, sondern zusätzlich das halbe Land auf Achse ist, gelingt es einem doch, sich kurze Augenblicke zu schaffen, die man ganz und gar für sich allein hat.

In Nelson war das (abgesehen von den Stunden im Zimmer) beim Spaziergang zum Centre of New Zealand der Fall. Zur Erklärung: Die Stadt im Norden der Südinsel rühmt sich damit, das geographische Zentrum des Landes zu sein. Man kennt ähnliche Orte dieser Kategorie, die todlangweilig und Touristenfallen erster Güte sind. Das ist hier nicht der Fall. Ein gut ausgeschilderter Wanderweg führt einen zunächst am Fluss entlang und strategisch clever ist das Zentrum Neuseelands auf einem Hügel platziert, der ein fantastisches Panorama bietet. Ich komme dort oben an … und außer mir keine Menschenseele. Ein Traum. Für diese Momente bin ich hier.

Auch in Franz Josef gab es so einen, aber dazu gleich mehr. Zuerst stand auf dem Weg dorthin eine der mit zehn Stunden längsten aber auch schönsten Busfahrten meiner Reise an. Größtenteils führte die Strecke an der Westküste entlang. Inklusive eines Abschnitts, der, wie Busfahrerin Chris uns wissen ließ, von Lonely Planet als eine der zehn schönsten Küstenstraßen der Welt gelistet wird. Überhaupt zeichnen sich sämtliche Busfahrer durch ihre Qualitäten als Tourguides aus, was die Fahrten sehr informativ und unterhaltsam macht. Zurück zur Strecke. In der Tat, für die Landschaften, die auf dem Weg von Nelson nach Franz Josef zu sehen sind, kann man die Superlative und Worte wie „malerisch“ oder „atemberaubend“ schon herausholen. Mir ist es sogar gelungen, ganz ordentliche Bilder aus dem Bus heraus zu knipsen. Auch wenn es natürlich schöner gewesen wäre, zwischendurch anzuhalten.

Einen hochinteressanten Stopp gab es aber. Dieser erfolgte in Punakaiki. Wieder ein Ereignis der Kategorie unverhofft kommt oft. Die dortige Attraktion, die soganannten Pancake-Rocks (Felsformationen, die aussehen wie übereinandergestapelte Pfannkuchen), hätte ich guten Gewissens ausgelassen. Aber unsere Mittagspause wurde just an diesen Ort gelegt. Die Sache hatte nur einen Haken. Wir wurden mit dem Hinweis aus dem Bus entlassen, dass der Rundweg zu den Felsen 20 Minuten in Anspruch nimmt und wir in 25 Minuten weiterfahren müssen. Zeitlich reichte das also. Nur hatte dieses Limit zur Folge, dass ich mich zum ersten Mal wie ein richtiger Tourist fühlte. Klar, ich bin ein Tourist, machen wir uns nichts vor. Aber ich meine die schlimmste Sorte von Tourist, ich nenn sie jetzt einfach den To-do-Listen-Touri. Will heißen, man fährt soviele der (meistens nach Meinung des Reiseführers) wichtigsten Sehenswürdigkeiten ab, macht kurz seine Fotos und kann dann behaupten, man wäre dort gewesen. So in etwa kam mir das in diesem Moment war. Aber hey! Ich war bei den Pancake-Rocks und hab super Bilder geschossen!

Dann kam ich also in dem kleinen Ort Franz Josef am Fuße des gleichnamigen Gletschers an. Schon von der Terrasse des Hostels aus war der Ausblick auf die Bergkulisse wunderschön. Natürlich kann man dem Gletscher aber noch deutlich näher kommen. Wie in Neuseeland üblich bieten sich dafür viele Möglichkeiten. Auf der einen Seite die von mir bevorzugte Variante, kostenlose Wanderwege zu verschiedenen Aussichtspunkten abzugrasen. Für das andere Ende des Spektrums gilt sowohl inhaltlich als auch finanziell: „Sky is the limit“. So kann man (zumindest in Franz Josef) nur dann eine richtige Gletscherwanderung machen, wenn man sich mit dem Helikopter hinfliegen lässt. Da bleib ich dann doch bei meiner Null-Euro-Tour. Die habe ich mir spontan vor Ort aus den vielen verfügbaren Wegen zusammenkombiniert. Heraus kam dabei eine sehr schöne, knapp achtstündige Wanderung bei stets strahlendem Sonnenschein.

Meinen oben bereits angekündigten magischen Moment hatte ich dabei am Lake Wombat. Den ca. 45 Minuten langen Weg dorthin nehmen scheinbar nicht ganz soviele Besucher auf sich. Ich war wieder ganz allein dort (für völlig ausreichende zehn Minuten jedenfalls). Der See, rundherum dichter Urwald und Vogelgezwitscher. So richtig schön kitschig. Dass man sich in diesen Augenblicken nicht vollkommen verliert, dafür sorgt dann der Helikopter, der über einen hinweg Richtung Gletscher fliegt.

So darf es gern weitergehen. Nächster Halt ist Wanaka

Lika a rolling stone

Eine Woche Neuseeland ist jetzt um und langsam aber sicher fange ich an, mich an die neuen Gegebenheiten zu gewöhnen. Die Strategie gegen mein anfängliches Stimmungstief sah ein Mittel vor, das auf Reisen in schöner Regelmäßigkeit vorkommt: Busfahren, jedoch in höherer Dosierung als üblich. Manche Leute, habe ich mir sagen lassen, nervt dieser essentielle Bestandteil des Reisens. Kein Verständnis für diese Einstellung. Busfahrten mit Musik im Ohr und ausgiebigem Aus-dem-Fenster-schauen sind für mich persönlich mit das Schönste überhaupt. In der Hoffnung, dass mich das wieder aufbaut, habe ich seit ich hier bin ein wahnwitziges Tempo an den Tag gelegt. So bin ich bereits jetzt in Nelson auf der Südinsel angelangt, was schon meine sage und schreibe fünfte Station ist. Getrieben hat mich dabei außerdem die mir eigene Logik, wonach ich in Orten, an die ich später nochmal zurückkehre, nicht länger als zwei Tage bleiben kann. Das trifft auf Auckland (Flug) sowie Wellington und Picton (Fähre zwischen den beiden Inseln) zu.

Eigentlich schreibe ich ja am liebsten zu jedem Ort einen gesonderten Bericht, aber diesmal muss ich ein bisschen zusammenfassen. Ja, was habe ich so gemacht? Im Grunde genau das, was ich mir vorgenommen hatte: Viel von der wunderschönen Landschaft sehen, sei es wie bereits erwähnt im Bus oder ganz allein zu Fuß (wie zum Beispiel in Taupo auf dem Weg zu den Huka Falls). Aber auch der urbane Raum macht durchaus was her. Auckland, die größte Stadt des Landes und vor allem die Hauptstadt Wellington sind nach meinem ersten nur knapp 48- bzw. 24-stündigen Eindruck sehr charmant. Der Tag in Wellington war es dann auch, der die Stimmung wieder nach oben schnellen ließ. Da mein Hostel ausgebucht war und deshalb für eine zweite Nacht nicht zur Verfügung stand (mitverantwortlich könnte ein AC\DC-Konzert gewesen sein), kaufte ich mir noch für denselben Tag ein Ticket zur Südinsel. Da die Fähre jedoch erst um fünf ablegte, musste ich den ganzen Tag mit dem großen Rucksack verbringen. Weil der aber federleicht und deshalb angenehm zu tragen ist, war ich körperlich noch nicht genug ausgelastet und ging vor dem Auschecken noch kurz joggen. Dann ging es also mit voller Montur zum Mount Victoria, wo man einen herrlichen Blick über die Stadt genießen kann. Das notorisch wechselhafte neuseeländische Wetter macht es dabei möglich, sich an einem Tag, sowohl eine Erkältung als auch einen Sonnenbrand zu holen. Gegen Letzteres half Sonnencreme, die Erkältung konnte jedoch auch meine große White Hot Chocolate mit Sahne nicht mehr verhindern. Den Versuch war es aber wert.

Nach der Überfahrt habe ich mich dann zwei Tage im beschaulichen Picton erholt aber hundertprozentig fit bin ich immer noch nicht. Ich hoffe das wird wieder, denn für die nächsten Tage habe ich mir wieder ein paar schöne Wanderungen vorgenommen. Mittelfristig stellt sich dann noch die spannende Frage, wo ich die Feiertage verbringe. Da bin ich mir noch nicht sicher. Wird es Queenstown, der Hotspot im Süden schlechthin, oder schleich ich mich an einen ruhigeren Ort? So oder so, wahrscheinlich werd ich ausnahmsweise mal meine Unterkunft im Voraus buchen. Denn egal wo ich Weihnachten verbringe, ein Dach überm Kopf hätte ich schon gern.

Noch nicht angekommen

Wenn in den letzten Wochen der Eindruck entstanden ist, dass bei mir alles nur super ist, dann ist das schon in Ordnung so. Klar funktioniert nicht alles perfekt und man hat hier und da mal einen kurzen Durchhänger, was dann in den Beiträgen eventuell beschönigt oder schlicht und ergreifend verschwiegen wird, so ehrlich muss ich schon sein. Aber meine Erlebnisse exakt eins zu eins darzustellen und jedes Hoch und Tief zu erwähnen, ist auch gar nicht Sinn und Zweck dieses Blogs. Trotzdem würde ich behaupten, um auf das Anfangsstatement zurückzukommen, zu 95% ist alles nur super. Wieso erzähl ich das? Weil es diesmal um die restlichen 5% gehen soll.

Tatsächlich ist meine Laune in den letzten Tagen nicht so prächtig wie sonst. Dass das ausgerechnet in Neuseeland passiert, kommt für mich doch sehr überraschend. Alles auf den Jetlag zu schieben, wäre mir zu einfach. Tatsache ist aber, dass ich während des Fluges so gut wie nicht geschlafen habe. Trotzdem war ich nach der Landung erstaunlich fit und konnte erfolgreich die ersten Schritte planen (Transport zur Stadt und Unterkunft). Beim Verlassen des Flughafengebäudes wurde ich dann Zeuge eines interessanten Wetterphänomens: Wind! Den kannte ich gar nicht mehr. Darüber hinaus war der erste Eindruck von den Kiwis, wie sich die Neuseeländer nennen, sehr positiv. Die bleiben nämlich alle am Zebrastreifen stehen und lassen einen freundlich lächelnd über die Straße gehen. Auch das war ungewohnt.

Ansonsten, und damit komme ich zu den unschönen Dingen, fiel mir meine erneute Planlosigkeit bzw. mein mangelhaftes Wissen über Neuseeland auf. Aber das Problem hab ich mittlerweile durch das Wälzen von diversen Broschüren etwas gelöst und ich weiß jetzt schon, dass das in jedem weiteren Land so sein wird. Wichtig ist mir bei der Planung in erster Linie, eine relativ logische Reiseroute auszutüfteln, die ohne sinnloses Hin-und-her-Fahren im Zick-Zack auskommt, wie mir das in Thailand, Laos und Kambodscha hervorragend gelungen ist (an dieser Stelle schreibe ich kurz mit einer Hand weiter, um mir selbst auf die Schulter klopfen zu können).

Das weit größere Problem für mich sind aber die lächerlich hohen Preise hier (besonders im Vergleich mit Südostasien), egal ob für Essen, Unterkunft oder Transport. So scheinen die Bustickets fast doppelt so teuer zu sein, wenn man sie nicht online bucht. Das wiederum ist gar nicht so einfach, da man in vielen Hostels kein kostenloses und an öffentlichen Plätzen kein zuverlässiges Wlan hat (dadurch wurde zum Beispiel auch die erste Fassung dieses Artikels gelöscht ). Aber am meisten stören mich dabei nicht die Preise an sich, sondern die Tatsache, dass mich das überhaupt stört. Ich war ja in Südostasien relativ sparsam und die gut sechs Wochen hier sind im Budget schon miteingerechnet. Wieso reg ich mich dann so darüber auf? Ich muss das jetzt einfach akzeptieren, ausblenden wie auch immer und die Zeit hier genießen, aber irgendwie kann ich es gerade nicht. Es kommt mir so vor, als wäre ich in Gedanken noch in Kambodscha und nicht hier. Ganz gleich also was für wunderschöne Dinge in den nächsten Wochen auch passieren werden, Liebe auf den ersten Blick war es nicht.

Die zwei Türme oder unverhofft kommt oft

…und damit ist in diesem Fall Kuala Lumpur gemeint. Beim letzten Mal hatte ich ja irgendetwas von Wegen Abschluss in Südostasien erzählt. Aber um es mit Uli Hoeneß zu sagen: „Das war’s noch nicht.“ Tatsächlich war ich noch einen Tag lang in der malaysischen Hauptstadt. Wie kam es dazu? Diese Frage kann ich nur zum Teil beantworten. Zunächst habe ich meinen Flug nach Auckland (über Kuala Lumpur) zweimal umgebucht. Hat mit dem Visum für Thailand zu tun. Es im Detail zu erklären, würde den Rahmen sprengen. Nur soviel, man hätte das auch anders lösen können aber ihr müsst mir jetzt einfach glauben, das war notwendig und total clever.
Dieser umgebuchte Flug hätte nun einen Aufenthalt von sieben Stunden in Kuala Lumpur vorgesehen. Doch aus mir nicht bekannten Gründen wurde der Anschlussflug um einige Stunden nach hinten verschoben. Nun waren es plötzlich 20 Stunden Aufenthalt und damit verbunden die Möglichkeit, den Flughafen, der 50km vom Stadtzentrum entfernt ist, zu verlassen.

Weil ich immer brav meine Flugdaten überprüfe, war ich bereits bestens vorbereitet, als ich beim Check-in gefragt wurde, ob ich von dieser Änderung gewusst hätte. Mir wurde dann ans Herz gelegt, mich an das Service-Personal zu wenden, um eine Unterkunft zu organisieren. Ich habe freundlich genickt und mich bedankt aber mein Plan sah etwas anderes vor. Ich kam um 1 Uhr nachts in Kuala Lumpur an. Da war für mich klar: Schlafen im Flughafen und dann in die Stadt. Und genauso ist es gelaufen. Im Flieger hatte ich dann auch noch die komplette Sitzreihe für mich allein, was eine komfortable Schlafposition ermöglichte. So kam ich insgesamt auf knapp sechs Stunden schlaf und hatte nun, unerwartet ausgeruht, von halb neun vormittags bis zum Check-in um acht Uhr abends Zeit.

Mein Ziel für diesen Tag: Die Petronas Towers erreichen. Ausgestattet mit einem sehr guten Stadtplan und meinen stark verbesserten Navigationskünsten sollte das doch zu schaffen sein. Auf dem Weg dorthin lief alles wie geschnitten Brot. Stichwort Essen: Nach einer halben Stunde Fußmarsch stieß ich zufällig auf ein Street-Food-Festival. Jackpot! Da hab ich mich erstmal mit malaysischem Essen gestärkt. Zwei Stunden später kam ich tatsächlich schon an den beiden 452 Meter hohen Zwillingstürmen an. Ich frag mich ja bei sowas immer: Was sind das für Leute, die sich hinstellen und sagen: „Nicht einer, nein zwei 452 Meter hohe Gebäude. Die bauen wir jetzt! Nicht weil wir müssen, sondern weil wir’s können!“ Aber Tatsache ist, dass die beiden Türme für Touristen die größte Attraktion der Stadt sind und da nehm ich mich selbst nicht aus. Sind schon sehr beeindruckend. Für den Rückweg hätte ich mir sogar ein Taxi gegönnt. Aber es war noch zu viel Zeit und so gings auch zurück per pedes, wobei mich auch ein plötzlich einsetzendes Gewitter nicht stoppen konnte. Noch ein kleiner Abstecher zur Chinatown und ich war um halb sieben wieder an der Station in Richtung Flughafen.

Ein herrlicher Tag, an dem nicht alles aber fast alles perfekt lief, ging dann im Flugzeug nach Auckland zu Ende. Eine eigene Kategorie in Sachen Bilder und Beiträge für Malaysia zu machen, schien mir etwas übertrieben. Wir machen das einfach so: Ich lass euch hier am Ende noch ein paar Bilder da.

 

Bilder Kambodscha

Kurzmitteilung

Auch die Bilder aus Kambodscha sind schon hochgeladen. Diesmal vor und hinter der Kamera beteiligt: Lilli, Linda, Maike, Kamquan, Karol und JC. Danke an euch und auch diejenigen, die in dieser Galerie nicht zu sehen sind, für viele unvergessliche Momente.

Angkor une fois

Oft sind es ja die kleinen Dinge, die einem unerwartet mehr Freude bereiten als so manche vielgepriesene Sehenswürdigkeit, die man angeblich gesehen haben muss. In diesem Fall war es nicht so. Trotz meiner relativ hohen Erwartungen wurde ich von Angkor nicht enttäuscht. Angkor ist ein Gebiet mit dutzenden Tempeln, das so weitläufig ist, das man selbst in drei Tagen, die ich mir zur Besichtigung genommen habe, nicht alles sehen kann. Der bekannteste Tempel ist Angkor Wat, Kambodschas ganzer Stolz, was nicht zuletzt daran zu erkennen ist, dass er die Flagge des Landes ziert. Und in der Tat, dieser Ort ist einfach magisch. Auch die Unmengen an Touristen, die dort täglich herumschwirren, können daran nichts ändern. Aber an den anderen Tempeln geht es zum Glück etwas entspannter zu und man schafft es tatsächlich hier und da, ein Foto ganz ohne Menschen zu knipsen. Weil das zum Beispiel an meinem Lieblingstempel, dem Bayon, geglückt ist, sah ich mich gezwungen, das Bild auf der Startseite auszutauschen. Angkor war tatsächlich der krönende Abschluss für Südostasien, den ich mir erhofft hatte.

Für Bangkok blieben dann doch wieder nur zwei halbe Tage und keine Zeit für Sightseeing aber schön war’s trotzdem. Besonders spannend war dabei der Vergleich zu vor zwei Monaten, als ich ohne Plan an selber Stelle herumgeirrt bin. Mit der mittlerweile angesammelten Routine und Gelassenheit ging diesmal natürlich alles einfacher. Und dann war es das auch schon in Sachen Südostasien. Zeit für ein kleines Resumee: Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich diese Region nicht wirklich auf dem Zettel hatte. Ich konnte mir wenig bis gar nichts darunter vorstellen. Nach den zwei Monaten hier bin ich aber sehr angetan besonders von Laos und Kambodscha. Darüber hinaus habe ich großartige Dinge von Vietnam und Myanmar gehört. Schwer vorstellbar also, dass ich zum letzten Mal hier war. Vieles wird mir in nächster Zeit sicher fehlen: Das günstige und durch die Bank leckere Essen, unwahrscheinlich freundliche und lebensfrohe Menschen, dass man eigentlich immer im T-shirt rumlaufen kann und ich frag mich ernsthaft, ob ich mich in einem Zimmer wohlfühlen werde, in dem nicht mindestens ein Gecko an der Wand krabbelt. Ich hatte wirklich einen fantastischen Start in meine Reise.

Und jetzt wartet Neuseeland, die Nummer eins auf meiner Liste. Dort werden die Uhren wieder auf null gestellt. Naja, eigentlich sechs Stunden vor aber ihr wisst was ich meine. Jetzt wird wieder alles anders. Ein westliches Land, das entsprechend einfach zu bereisen (obwohl es schon in Südostasien bisweilen recht einfach war), gut organisiert, etwas teurer und mit Sicherheit viel sauberer ist. Ja, in der Hinsicht muss vor allem in Kambodscha noch einiges getan werden. Ich bin schon sehr aufgeregt. Gut sechs Wochen in einem der, nach Ansicht vieler, schönsten Länder der Erde. Los geht’s …

Reiseroute Südostasien

Kurzmitteilung

Langsam aber sicher füllen sich die Seiten dieses Blogs. Unter dem Menüpunkt Reiseroute – Route Südostasien findet ihr eine Karte, auf der ich alle Orte eingetragen habe, an denen ich mindestens eine Nacht verbracht habe, damit ihr meinen Weg auch geographisch nachvollziehen könnt.

PHNOM PENHomenal

Als ich vor einer Woche meinen Zeitplan durchging, dachte ich mir, dass ich fast schon zu viel Zeit habe, für „die paar Dinge“, die ich noch sehen wollte. Sowas kommt selten vor und man könnte es Luxusproblem nennen. Nun aber weiß ich: Das ist kein Problem. Das ist totaler Schwachsinn! Zu viel Zeit?!

Schon in der ersten der drei noch ausstehenden Städte auf meiner Liste bin ich unerwartet lang geblieben. Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh hat mich auf Anhieb begeistert. Damit hatte ich nicht wirklich gerechnet. Ich dachte bis vor Kurzem, dass ich kein Fan von Großstädten bin, aber ich überleg mir das nochmal. Merkwürdigerweise war es zum Beispiel der unglaublich turbulente Verkehr, der mich enorm fasziniert hat, sei es bei Fahrten mit dem Motorrad-Taxi oder beim Überqueren der Hauptstraße, was ich mittlerweile so entspannt und souverän beherrsche wie kein Zweiter. Dann gibt es noch die Riverside. Eine sehr schöne Promenade, die zwar gegen Abend extrem zugemüllt ist, aber das mit dem Abfall hier ist ein eigenes Thema und irgendwann gewöhnt man sich daran.

Ein Tag war der hochinteressanten aber auch unvorstellbar grausamen Geschichte des Landes gewidmet. Dazu gehörte der Besuch des Tuol Sleng Museums und der sogenannten Killing Fields. Diese Orte erinnern an die Herrschaft der Roten Khmer in den 70er-Jahren. Glücklicherweise habe ich am selben Tag, der einen zunächst mit einem sehr schlechten Gefühl zurücklässt, meinen persönlichen Lieblingsort gefunden. In meinem Reiseführer nicht erwähnt aber aus meiner Sicht absolut sehenswert: Das Olympiastadion von Phnom Penh. Und das liegt nicht in erster Linie an meiner zweifellos vorhandenen Begeisterung für Sport. Das geniale an diesem Stadion ist, dass es, wie mir glaubhaft versichert wurde, täglich 16 Stunden lang geöffnet ist. Und zwar nicht nur die Tribünen, um das Stadion besichtigen zu können, was mir allein schon gereicht hätte. Nein, man darf tatsächlich auf der Bahn seine Runden drehen. Seht euch das an:

Phnom Penh - Olympiastadion

Damit nicht genug: Oben auf den Zuschauerrängen stehen Boxen, aus denen Musik schallt und Essensstände mit unter anderem meinen heißgeliebten gegrillten Bananen gibt es auch. Das Gelände um das Stadion ist gespickt mit Basketball- und Volleyballfeldern und überall wo nur Teer ist, wird Fußball gespielt.

Tatsächlich waren es aber nicht nur diese wunderschönen Plätze, die mich solange hier verweilen ließen, sondern vielmehr die großartigen Menschen, die ich getroffen habe. Und wo findet man die? Im #10 Guesthouse! Wer hier zum Personal gehört und wer als Gast hier ist, war für mich im ersten Moment nicht zu erkennen. Es wirkte auf mich wie eine große Familie. Ich hab mich dort sehr wohl gefühlt. Ein Glück, dass ich mich nicht von allen dauerhaft verabschieden musste. So hat mir Holly (aus Neuseeland) angeboten, dass ich bei ihr übernachten kann, wenn ich in Auckland bin. Find ich super. Und dann ist da noch Theary, die morgen auch nach Siem Reap kommt, wo ich mich bereits gestern einquartiert habe.

Siem Reap. Das ist die vorletzte Station in Südostasien und diese habe ich ganz bewusst so gewählt. Vor den Toren der Stadt liegen die Tempel von Angkor. Die Attraktion schlechthin in der Region. Das sollte das Grande Finale werden. Die Meinungen, die ich dazu gehört habe, gehen wie immer auseinander. Aber es war nur eine negative dabei: „Sind doch nur ein Haufen Steine“ (JC). Alle anderen waren sehr begeistert und empfahlen mir zumeist einen Aufenthalt von mindestens zwei Tagen. Ich schaue nochmal auf meinen Kalender und stelle fest: Die Zeit hab ich und die werd ich mir auch nehmen.

Kontrastprogramm

Ich hab mich ja moralisch schon darauf eingestellt, dass es mit der Ruhe, die im Osten des Landes herrscht, schlagartig wieder vorbei ist, wo es jetzt in die großen Städte geht. Sihanoukville hab ich mir dabei als erstes vorgenommen. Wie gesagt, ich wusste ungefähr, was mich dort erwartet: Party und Strand. Eine klassische Touri-Hochburg, wie es sie dutzendfach auf der Welt gibt. Aber wie sehr man dann vor Ort von Menschen umzingelt ist, die auf die ein oder andere Weise dein Geld wollen, ist schon sagenhaft. Alle zehn Meter wird man dazu angehalten, sich in eines der Restaurants zu setzen oder eine Fahrt mit dem Tuk-Tuk zu unternehmen, am Strand wird einem ungefragt der Rücken enthaart und auch gegen eine Pediküre musste ich mich schon fast körperlich wehren. Ach ja, hab ich das Feuerwerk schon erwähnt? Nein? Das gibt’s nämlich am Abend käuflich zu erwerben, was dazu führt, dass hier 365 Tage im Jahr Silvester ist. Sich zu entspannen, wird einem wirklich mit allen Mitteln erschwert. Phasenweise ist es mir aber doch gelungen. Da war zum Beispiel eine Seitenstraße mit einem hervorragenden Restaurant, wo ich zweimal gegessen und dabei unglaubliche sechs Stunden dort verbracht habe. Und auch ein ganz alternativer Strandabschnitt bot mir einen Moment der Ruhe für mich allein. Es war ein leerstehendes Gebäude, vor dem eine Art Holzterrasse aufgebaut war. Ich bin mir nicht sicher, ob sich das mit der Beschreibung nach einem wunderschönen Ort anhört, deshalb zur Klarstellung: Keine Terrasse in dem Sinn, sondern eher eine Ansammlung von Brettern. Hauptsache kein Mensch, der einem Obst, eine Massage oder Gras andrehen will. Waren also auch gute Momente dabei und als inoffizieller Weltmeister im Dingen-etwas-Positives-abgewinnen fand ich es schön, ein bisschen was für meinen Teint tun zu können. Aber auf Dauer würde ich hier durchdrehen. Also schnell ab nach Phnom Penh …

It’s a jungle out there – Nicht auf die Tour!

Weil das in Thailand schon sehr viel Spaß gemacht hat und man sich ja sonst nichts gönnt, war in Ban Lung eine zweite Dschungel-Trekking-Tour geplant. Diesmal war es sogar eine dreitägige. Schon verrückt, dass man Geld dafür bezahlt, bei völlig unverhältnismäßigen Temperaturen durch den Wald zu laufen, um sich dabei von Moskitos und Blutegeln attackieren zu lassen. Aber abgesehen davon war der Wohlfühlfaktor hoch. Unsere Guides haben wahnsinnig leckeres (und viel) Essen gezaubert und unsere beiden Schlafquartiere waren herrlich. Die erste Nacht haben wir neben einem Wasserfall in Hängematten verbracht, die zweite bei einer Familie. Ein Homestay also, was ich in Laos nicht organisieren konnte. Dort haben wir Reiswein getrunken und gelernt, in deren Sprache (ich weiß leider nicht mehr wie sie heißt) bis zehn zu zählen. Davor wurde aber erst nochmal die Hängematte aufgespannt.

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Nächster Halt war Sen Monorom. Hier gab’s gleich noch eine Tour. Diesmal aber nur einen Tag. Das Angebot klang nicht schlecht: Ein Guide, der uns in einem Jeep zu diversen Orten bringen sollte, an denen wir jeweils bleiben konnten, solange wir wollten. Im Grunde lief es auch so ab. Nur war unser „Guide“ des Englischen nicht mächtig. Überhaupt nicht. Während des ganzen Tages hat er kein Wort mit uns gesprochen. Er hielt nur den Wagen an und zeigte in die Richtung, in die wir gehen sollten. Sehr seltsam dieser Trip. Da konnte man sich lediglich mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus helfen. Naja, entweder man ärgert sich über hinausgeschmissenes Geld oder man nimmt es als eine merkwürdige aber im Nachhinein doch witzige Erfahrung mit. Ratet, was ich gemacht habe …